Gleich drei entwicklungspolitische Berichte thematisieren in diesem Herbst die wachsende gesellschaftliche Ungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern der Welt. In ihrem Weltentwicklungsbericht erkennt die Weltbank zum erstenmal an, daß neben Wachstum Umverteilung erforderlich ist, um der weltweiten Armut ein Ende zu setzen. Der neue Weltsozialbericht und der Human Development Report verweisen darauf, wie wichtig die Verteilungsdimension auch und gerade für die Verwirklichung der entwicklungspolitischen Millenniumsziele (MDGs) ist.
Im Zentrum der Berichte der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) stehen in diesem Jahr drei Themen: Der Trade and Development Report behandelt die wachsenden Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft und die neue Rolle der Schwellenländer. Ein Papier des UNCTAD-Sekretariats zieht die Lehren aus den sog. Reformen der 90er Jahre. Der Bericht zur wirtschaftlichen Situation Afrikas versucht eine Neubewertung der Rolle der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) auf dem Kontinent.
* Der Weltentwicklungsbericht, der Human Development Report und der Weltsozialbericht wurden vorgestellt in>>> W&E 09/2005.
* Eine Zusammenfassung der UNCTAD-Berichte finden Sie in >>> W&E 10/2005.
* Die Links zum Wortlaut der Berichte finden Sie in dieser Tabelle:
Die Herbstberichte auf einen Blick
Herausgeber
Titel
Link
UN Development Programme (UNDP)
Human Development Report 2005: International Cooperation at a Crossroads. Aid, Trade and Security in an Unequal World
Der Optimismus weicht der Angst, und die Hoffnung schwindet, dass es Dank des beschleunigten Wachstums im Süden einen Durchbruch bei der Zurückdrängung der Armut geben könnte. Auch in den fortgeschrittenen Industrieländern wird wirtschaftliche Unsicherheit mehr und mehr mit Ungleichheit, Verschuldung und Sozialabbau assoziiert - so das neue World Economic and Social Survey (WESS) der UNO.
Nach Jahren des Wachstumsbooms und der Selbstzufriedenheit hat sich der Wind gedreht: Die Weltwirtschaft steht auf der Kippe, schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem neuen Jahresbericht. Doch die Krise der globalen Ökonomie ist nicht nur Thema für Zukunftsprognosen. Sie ist bereits aktuelle Realität.
Die Entwicklungspolitik der Industrieländer besteht nur zum Teil - und zwar zum weniger wichtigen - aus Entwicklungsfinanzierung. Je ärmer und abhängiger die Entwicklungsländer sind, desto weniger können sie die als Beratung und Politikdialog' angebotene Unterstützung ablehnen.
Die globale Nahrungsmittelpreiskrise zeigt auf erschreckende Weise, wie verwundbar arme Länder weltweit sind dieselben Länder, in die die reichen Industrienationen seit mehr als einem halben Jahrhundert Milliarden von Dollar an humanitärer Hilfe schicken, mit dem Ziel, die Armut auszurotten.
Wird die zunehmende globale Inflation zu einer starken globalen Konjunkturabschwächung führen? Oder schlimmer noch, wird sie die Stagflation wieder auferstehen lassen, jene tödliche Kombination aus steigender Inflation und negativem Wachstum?
Der Johannesburger Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung (WSSD) von 2002 hatte keine allzu gute Presse. Unverbindliche Absichtserklärungen und die Hoffnung auf freiwilliges Wohlverhalten der Unternehmen prägten die Beschlüsse. Fünf Jahre nach dem Gipfel legt die UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) eine Bilanz in Form ihres zweiten Berichts zur nachhaltigen Entwicklung des Kontinents vor.
2008 ist ein kritisches Jahr für die Entwicklungshilfe, in dem untersucht wird, welchen Beitrag sie zur Bearbeitung der globalen Armut und Ungleichheit leistet. Die Doha-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung wird Ende des Jahres überprüfen, inwieweit die 2002 in Monterrey beschlossenen Ziele erreicht wurden. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Geber. Zwei neue Berichte geben Aufschluss.
Als Beerdigung des Washington Consensus, des neoliberalen Dreiklangs aus Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung, kommt der Bericht der von der Weltbank eingesetzten Kommission für Wachstum und Entwicklung daher. Im Mittelpunkt eines pragmatischen Mixes an politischen Empfehlungen steht eine Neubewertung der Rolle des Staates im Entwicklungsprozess.
In der Diskussion um die Ursachen der aktuellen Preishausse bei Nahrungsmitteln verweisen die einen auf steigende Nachfrage, die Verteuerung der Inputs und die Verknappung des Angebots. Andere halten die Lebensmittelspekulation für den entscheidenden Faktor. Unbestreitbar ist, dass die Wucht der Agflation, wie das Phänomen seit neuestem genannt wird, nur mit dem Spekulationsfaktor erklärt werden kann.
Kritik an der staatlichen Entwicklungshilfe ist berechtigt. Zu kritisieren ist, dass daraus nicht nur entwicklungsorientierte Programme finanziert werden, sondern auch Operationen, die mit Entwicklung nichts zu tun haben. Doch diese Zweckentfremdung taucht in der Fundamentalkritik an der Entwicklungshilfe überhaupt nicht auf.