Im Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung (W&E) 07-08/2002 lesen Sie:
* Tendenzen der Entwicklungspolitik: Die neue Vormundschaft Seit der Konferenz von Monterrey in diesem Frühjahr gibt es den neuen internationalen Konsens, daß die Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahren drastische Einbrüche erlebt hat, künftig wieder steigen müsse. Die Steigerungsraten, die inzwischen erkennbar sind, bleiben zwar recht bescheiden. Ein anderes Projekt nimmt dafür um so deutlichere Konturen an: der Einsatz der Entwicklungshilfe zur Etablierung einer neuen Vormundschaft des Nordens über den Süden. Von Rainer Falk.
* Vom öko-feministischen Aufbruch zur Partnerschaftspflege: Der Rio-Effekt Für die Johannesburg-Konferenz planen Frauennetzwerke die Fäden von Rio aufzunehmen und erneut zu Hochform aufzulaufen. Deshalb machten sie sich an eine Neuauflage der Women’s Action Agenda 21, die 1991 als Frauen-Manifest formuliert worden war, und nahmen bei den Multi-Stakeholder-Dialogen der PrepComs als Major Group teil. Die Schwierigkeiten in diesem Prozess verweisen auf die Notwendigkeit einer neuen strategischen Standortbestimmung für die "internationale Frauenbewegung". Christa Wichterich prüft, was aus der feministischen Verve von Rio geworden ist.
* Weltentwicklungsbericht vor Johannesburg: Eine Doublette mehr Nachhaltigkeit durch bessere Institutionen. So könnte man den diesjährigen Weltentwicklungsberichts der Weltbank (WDR 2002) zusammenfassen. Der in Vorbereitung des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg erstellte Bericht legt den Akzent auf die Veränderung von "Nicht-Markt-Institutionen", um die natürlichen Ressourcen zu schützen und die Armut zu reduzieren. Diskutiert aber werden nur die Institutionen der Entwicklungsländer – die Institutionen jener Länder, die bis heute den Löwenanteil der natürlichen Ressourcen beanspruchen und die Hauptverantwortung für globale und lokale Umweltzerstörung tragen, sind nicht gemeint, schreibt Jörg Goldberg.
* Strategische Globalität contra Globalismus: Diskursfeld Documenta11 Natürlich ist es fraglich, ob bereits von eigenständigen kulturellen Positionen der globalisierungskritischen Bewegung gesprochen werden kann. Doch nicht zu bestreiten ist, daß sich umgekehrt in der aktuellen Kunst ein diskursives Feld für radikale Globalisierungskritik eröffnet hat. Gerade die Documenta erweist sich als Terrain, auf dem radikale Positionen bezogen werden können. Kaum irgendwo werden die "Schattenseiten der Globalisierung" schonungsloser dokumentiert als hier. Beispiele von der von Okwui Enwezor kuratierten Documenta11 hat Rainer Falk nach dem Zufallsprinzip zu einer Text-Konstellation zusammengefügt.
* Wissensnetzwerke und Global Governance: Business for experts? In den Sozialwissenschaften wird verstärkt der Tatsache Aufmerksamkeit geschenkt, dass Wissen heute eine zunehmend wichtige Rolle spielt, sei es in Staat, Unternehmen oder internationaler Politik. Und es gibt erste Forschungen, die den Einfluss von Nichtregierungsorganisationen weniger auf ihre Mobilisierungsfähigkeit oder Medienresonanz zurückführen, sondern auf ihre Fähigkeit, alternative Expertise zu entwickeln und in politische Prozesse einzubringen. Ulrich Brand berichtet von einer Tagung an der Universität Kassel.
* 20 Jahre Schuldenkrise, sieben Jahre HIPC: Verflixtes siebtes Jahr Vor 20 Jahren, im August 1982, löste Mexiko mit der Einstellung seines Schuldendienstes die Schuldenkrise der "Dritten Welt" aus. Vor sieben Jahren, auf dem G7-Gipfel in Halifax, wurde erstmals anerkannt, daß auch die Schulden bei multilateralen Finanzinstitutionen ein Problem darstellen. IWF und Weltbank wurden aufgefordert, einen "umfassenden Ansatz zu entwickeln", um den hochverschuldeten ärmsten Ländern bei der Lösung ihres Schuldenproblems zu helfen - die Geburt der HIPC-Initiative. Eine HIPC-Zwischenbilanz von Ann-Kathrin Schneider.
* Rubriken: W&E-Infospiegel (mit Kurzinfos, Tagungs- und Lesehinweisen)
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