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Cristina Fernandez' Wahlsieg: It's the Economy

Argentiniens Comeback ohne den IWF

Nur im Web – Noch vor ein paar Jahren litt Argentinien unter massiver Arbeitslosigkeit und weit verbreiteter Armut, doch seither hat eine vernünftige Wirtschaftspolitik dem Land ein bemerkenswertes Comeback ermöglicht. Die meisten wirtschasftspolitischen Maßnahmen seiner Regierung standen in direktem Gegensatz zu den Rezepten des Internationalen Währungsfonds - ein Umstand, aus dem möglicherweise wichtige Lehren für andere Entwicklungsländer gezogen werden können, schreibt Mark Weisbrot.

 



Am 28. Oktober 2007 wurde Cristina Fernandez de Kirchner zur ersten Präsidentin Argentiniens gewählt. Ihr Sieg überrascht kaum, war es doch ihre Partei unter Präsident Nestor Kirchner (ihrem Ehemann), die Argentinien den imposanten Konjunkturaufschwung bescherte und das Land in den vergangenen fünfeinhalb Jahren zur am schnellsten wachsenden Wirtschaft in der westlichen Hemisphäre machte.

* Die Kirchners: Ehre wem Ehre gebührt

Mehr als elf Millionen Menschen – das sind 28 % der Bevölkerung – schafften es, die Armutsgrenze zu überwinden, als die argentinische Wirtschaft um mehr als 50 % wuchs. Die jährliche Wachstumsrate von 8,2 % ist mehr als doppelt so hoch wie der südamerikanische Durchschnitt. Die inflationsbereinigte Arbeitslosenquote fiel von 21,5 % auf 8,5 %, und die Löhne sind um mehr als 40 % gestiegen.

Fernandez’ Sieg war also vorhersehbar und relativ leicht. Aber die wirtschaftliche Erholung, der er zu verdanken ist, war keineswegs einfach, und den Menschen, die diesen Aufschwung anführten, gebührt mehr Anerkennung, als ihnen gemeinhin gezollt wird. Die Kirchners und ihre Verbündeten stellten sich nicht nur gegen das herkömmliche wirtschaftswissenschaftliche Credo, sondern auch gegen mächtige internationale Institutionen, wie den Internationalen Währungsfonds (IWF). Aus dem Erfolg Argentiniens könnten andere Entwicklungsländer einiges lernen.

Als sich Argentinien Ende 2001 unter seiner Rekord-Schuldenlast von 100 Mrd. US-Dollar zahlungsunfähig erklärte, sagten fast alle Experten lange Leidensjahre voraus. Die internationalen Finanzmärkte und ausländische Investoren, so die Prognose, würden einen großen Bogen um das Land machen – mit katastrophalen Folgen. Daher solle die Regierung doch lieber eine Vereinbarung mit dem IWF treffen und dessen Rat befolgen. Und: Seinen ausländischen Gläubigern gegenüber sollte sich Argentinien auf jeden Fall in Wohlverhalten üben.

* Die Experten lagen daneben

Doch die Experten lagen komplett falsch: Die Wirtschaft schrumpfte gerade einmal drei Monate lang, dann begann sie zu wachsen. Und wächst auch heute noch.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme basierte der argentinische Aufschwung nicht auf Exporten oder hohen Rohstoffpreisen: Nur etwa 13 % des Wachstums waren dem Außenhandel zuzuschreiben.

Aber was hat Argentinien richtig gemacht? Zunächst einmal hat die Regierung die richtige makroökonomische Politik verfolgt. Nach Jahren der Lähmung der einheimischen Wirtschaft durch eine überbewertete Währung, die Importe künstlich verbilligte, setzte sich die argentinische Zentralbank einen stabilen und wettbewerbsfähigen realistischen Wechselkurs zum Ziel.

Das heißt, die Regierung sorgte dafür, daß die Währung weder zu hoch anstieg noch im Sturm der Finanzmärkte zu stark schwankte (hier in den USA haben wir seit 2001 mehr als drei Millionen Arbeitsplätze in der produzierenden Industrie verloren – die meisten aufgrund des überbewerteren Dollars; das sollte uns nachdenklich machen). Die Argentinier haben auch die Zinsen niedrig gehalten und erklärten Wachstum – nicht die Kontrolle der Inflation – zur Top-Priorität.

Diese Maßnahmen sind für die meisten Zentralbanker und Ökonomen ein rotes Tuch, und auch Argentinien hatte seine Kämpfe mit dem IWF auszufechten – einschließlich eines vorübergehenden Zahlungsausfalls gegenüber dem IWF im September 2003. Aber schließlich gab der IWF klein bei, und 2005 stimmten die meisten der internationalen Gläubiger einem Umschuldungsplan zu, der eine Rückzahlung von nur 35 Cent pro Schulden-Dollar vorsah.

Natürlich sind in den vergangenen fünf Jahren relativ wenige ausländische Direktinvestitionen nach Argentinien geflossen, und das Land kann auch keine Gelder auf den internationalen Anleihemärkten aufnehmen. Aber diese Nachteile, die in der Wirtschaftspresse mit Untergang gleichgesetzt werden, erwiesen sich weder als besonders wichtig noch als dauerhaft. Früher oder später können und wollen sich auch ausländische Investoren und Kreditgeber nicht länger der Anziehungskraft einer schnell wachsenden Wirtschaft widersetzen.

* Die Lektionen?

Die Lektionen? Jede Politik ist lokal – und das gilt in den meisten Ländern auch für die Wirtschaftspolitik. Die richtige grundlegende makroökonomische Politik ist wesentlich wichtiger für ein Land als gute Kopfnoten von den internationalen Finanzmärkten oder gar komplett diskreditierten internationalen Finanzinstitutionen wie dem IWF. Nicht nur hat der IWF Argentinien zwischen 1998 und 2002 ohne Not in den wirtschaftlichen Ruin geschickt, er war auch gegen die politischen Grundsatzentscheidungen, die den bemerkenswerten Aufschwung Argentiniens ermöglichten.

Die Tatsache, daß Argentiniens Bruch mit dem IWF und dessen Politik der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes war, hat auch Auswirkungen für andere Länder. In den vergangenen 25 Jahren standen der IWF und seine Schwesterinstitutionen – die alle von Washington aus gesteuert werden – der schlechtesten Wachstumsperformance Südamerikas seit über einem Jahrhundert vor. Folglich haben die meisten Regierungen der Region dem IWF die Gefolgschaft aufgekündigt. Das Darlehensportfolio in Südamerika ist von 49 Milliarden USD vor vier Jahren auf heute weniger als eine Milliarde USD geschrumpft. Dennoch übt der IWF in vielen armen Ländern noch bedeutende Macht aus.

Die neue argentinische Regierung steht vor massiven Herausforderungen - Herausforderungen, die aus einer schnell wachsenden Wirtschaft entstehen: die Kontrolle der Inflation und die Sicherheit der Energieversorgung. Aber diese Probleme sind durchaus lösbar. Natürlich gibt es genug Analysten, die das anders sehen – aber deren Trefferquote war in den letzten fünf Jahren weniger als überzeugend.

Mark Weisbrot ist Co-Director des Center for Economic and Policy Research in Washington (www.cepr.net).

Empfohlene Zitierweise: Mark Weisbrot, Cristina Fernandez' Wahlsieg: It's the Economy. Argentiniens Comeback ohne den IWF, in: Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung, 30.10.2007, Luxemburg (www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org)

Veröffentlicht: 30.10.2007





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