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Globale Trends und Kipp-Punkte im Jahr 2018

Was dieses Jahr wichtig wird

Nur im Web - Ein neues Jahr hat begonnen, und es ist Zeit zu prognostizieren, was wir 2018 erwarten können. Das offensichtlich wichtigste Thema dürfte sein, wie Donald Trump, der unorthodoxeste US-Präsident, weiterhin die Weltordnung aufmischen wird. Doch dazu später. Genauso wichtig wie die Politik sind mehrere gesellschaftliche Trends mit bedeutenden langfristigen Effekten, deren Zeuge wir sind, schreibt Martin Khor.

 

Einige dieser Trends sind kurz vor einem Kipp-Punkt, an dem sie zu einem kritischen und manchmal irreversiblen Ereignis werden. Einiges davon werden wir 2018 sehen. Wer zum Beispiel hätte erwartet, dass das Jahr 2017 mit solch einem Aufschwung der Bewegung gegen sexuelle Belästigung enden würde? Wie eine Flutwelle hat diese Bewegung den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, den Filmstar Kevin Spacey, den TV-Interviewer Charlie Rose und viele andere Ikonen hinweg geschwemmt.

● Von #MeToo zum digitalen Wandel

Die #MeToo-Bewegung brauchte Jahre, um Fahrt aufzunehmen, wobei bereits Anita Hills Zeugenaussage gegen den damals für den Obersten US-Gerichtshof nominierten Clarence Thomas den Weg für andere bereitete. Doch erst viele Jahre später war der Kipp-Punkt erreicht, und viele meldeten sich zu Wort. Somit können wir erwarten, dass der Schwung 2018 anhält und mehr Länder erfasst.

Ein anderes gärendes Thema sind die schnelle Ausbreitung und die Effekte der digitalen Technologie. Wer die Vorteile des Smartphones, der Google-Suchmaschine, WhatsApp, Uber und das Online-Shopping genießt, ist normalerweise nur voll des Lobes. Doch die „4. Industrielle Revolution“ ist wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Sie hat viele Vorteile, aber auch ernste Kehrseiten.

Erstens kann die Automatisierung mit Hilfe künstlicher Intelligenz viele Jobs überflüssig machen. Uber ersetzt Taxis, und bald schon werden die Fahrer durch fahrerlose Autos ersetzt werden. Der globale Alarm angesichts der Jobverluste findet überall Widerhall. Ein Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) warnt, dass 54% der Arbeitsplätze in Malaysia dem Risiko ausgesetzt sind, in den nächsten 20 Jahren durch Technologie vernichtet zu werden, wie das Khazanah-Forschungsinstitut in seiner eignen Studie im letzten April zitierte. Die TalentCorp hat geschätzt, dass 43% der Arbeitsplätze in Malaysia potentiell durch Automatisierung gefährdet sind.

Zweitens gibt es seit kurzem den warnenden Chor, zu dem auch einige Erfinder aus dem Bereich der digitalen Technologie gehören, dass die Abhängigkeit und der häufige Gebrauch des Smartphones die Menschen weniger intelligent und sozial unempfindlicher macht.

Drittens ist da der Verlust an Privatsphäre, wenn persönliche Daten über den Gebrauch des Internets durch Technologie-Konzerne wie Facebook gesammelt werden und zu Werbezwecken verkauft werden.

Viertens gibt es die Bedrohung durch Cyber-Betrug und Cyber-Kriegsführung, da Daten aus gehackten Geräten benutzt werden können, um Bankkonten leer zu räumen, Informationen von Regierungen und Unternehmen zu stellen, und das sogar als Teil von Kriegsführung.

Fünftens ist da die Verschärfung der Ungleichheit und der digitalen Kluft, da solche Länder und Menschen, die wenig Zugang zu digitalen Geräten haben, einschließlich kleiner Unternehmen, zurückgelassen werden.

● Die Politik bleibt zurück

Die übliche Antwort auf diese Punkte besteht darin, dass Menschen und Regierungen darauf vorbereitet werden müssen, die Vorteile einzuheimsen und die schädlichen Effekte abzuwehren. Zum Beispiel sollten entlassene ArbeiterInnen umgeschult werden, Unternehmen in der Nutzung von E-Commerce unterwiesen werden, und auch ein Steuer auf den Einsatz von Robotern könnte erhoben werden (eine Idee, die Bill Gates unterstützt).

Doch die Technologien entwickeln sich schneller als die Fähigkeit der Politiker, damit Schritt zu halten und die Entwicklung zu regulieren. Man kann wohl erwarten, dass sich diese Debatte im Jahr 2018 aus den Konferenzräumen in die öffentliche Arena bewegen werden wird, da mehr Technologien erfunden und mehr Effekte offenkundig werden.

● Klimakrise und Resistenzen gegen Antibiotika

Im Bereich des Klimawandels werden die Wissenschaftler – frustriert durch das mangelnde Handeln – fortfahren, die Alarmglocken zu läuten, da die Situation weit schlimmer ist, als bislang vorhergesagt. In der Tat mag der Kipp-Punkt hier bereits erreicht sein. Am 20. Dezember stellten die Vereinten Nationen fest, dass sich die Arktis aufgrund der schnellen Klimaerwärmung für immer verändert hat. Sie erwärmte sich in 2017 doppelt so schnell wie die globale Temperatur, mit dem Schmelzen des Meeres als Folge.

Diese letzten drei Jahre haben sich als die wärmsten seit der Aufzeichnung von Daten erwiesen. Das Ziel der Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau, ein gerademal zwei Jahre alter Messwert des UN-Klimarates und der Pariser Klimakonferenz, scheint schon wieder überholt, und 2018 könnte als neues Ziele 1,5 Grad Celsius angenommen werden. Doch dies ist viel schwerer zu erreichen als das alte. Werden die führenden Politiker und die Öffentlichkeit mit der Herausforderung wachsen? Oder werden wir 2018 ein sich ausweitende Kluft zwischen dem, was getan werden muss, und dem Mangel an dringend benötigten Antworten erleben?

Ein weiteres Gebiet, auf dem ein Kipp-Punkt erreicht werden dürfte, ist das weitere Wachstum der Resistenzen gegen Antibiotika, wobei die Bakterienmutation die Antibiotika mehr und mehr ineffektiv macht, um viele Krankheiten zu behandeln. Es gibt globale und nationale Anstrengungen zur Eindämmung dieser Krise, aber nicht genug, und es bleibt wenig Zeit zum Handeln, bevor Millionen an einmal behandelbaren Erkrankungen sterben werden.

● Trump: Anfang vom Ende?

Und schließlich zurück zu Trump. Sein Stil und seine Politik haben die nationale und globale Ordnung erschüttert, doch die Kritik daran ließ ihn im letzten Jahr völlig unberührt. Somit können wir 2018 also mehr von dem gleichen erwarten oder sogar noch schockierendere Dinge?

Die Opposition gegen seine Politik aus dem Ausland wird nicht viel zählen. Aber es gibt viele im amerikanischen Establishment, die ihn als Bedrohung für das amerikanische System betrachten. Werden wir hier 2018 einen Kipp-Punkt erreichen, der wirklich etwas ändert? Es sieht nicht danach aus. Aber wie so vieles andere ist 2018 nichts sicher vorhersagbar.

Martin Khor ist Exekutivdirektor des South Centre in Genf. Er drückt hier seine eigene Meinung aus.

Posted: 3.1.2018

Empfohlene Zitierweise:
Martin Khor, Globale Trends und Kipp-Punkte im Jahr 2018. Was in diesem Jahr wichtig wird, in: Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung (W&E), Luxemburg, 3. Januar 2018 (www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org).


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