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Welttextilindustrie: Wachsende TNC-Dominanz

Eine UNCTAD-Studie zum Ende des Textilabkommens

Die Beseitigung der Importquoten bei Textil und Bekleidung nach dem Ende des Welttextilabkommens seit dem 1. Januar 2005 wird voraussichtlich zu einer größeren Dominanz von Transnationalen Konzernen (TNCs) führen, sagt eine neue Studie der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) voraus. Zugleich dürfte sich die Konkurrenz der Gastländer um ausländische Direktinvestitionen (FDI) verschärfen. Eine W&E-Zusammenfassung.

* Aufstieg transnationaler Produzenten aus Ostasien
Transnationale Konzerne (TNCs) spielen eine immer größere Rolle in der globalen Produktion und Verteilung von Textil- und Bekleidungsartikeln. Daß einige sehr große Einzelhandelsgesellschaften mit Sitz in den USA, Europa und Japan die Handels- und Produktionsmuster in diesem Sektor prägen, ist bekannt. Doch TNCs expandieren auch in der unmittelbaren Produktion. Im Unterschied zu den Einzelhandelsunternehmen sind diese TNCs jedoch ostasiatischer Herkunft und unterhalten große Produktionsstätten quer über den Globus. Dies ergibt sich aus einer soeben erschienen umfänglichen Studie der UNCTAD mit dem Titel „TNCs and the Removal of Textiles and Clothing Quotas“ (s. Hinweis).

Schon heute wird die Textil- und Bekleidungsproduktion in vielen Entwicklungsländern von ostasiatischen TNCs dominiert. Auf dem afrikanischen Kontinent, z.B. in Lesotho, Madagaskar, Mauritius und Südafrika, wuchs die Produktion in den letzten Jahren vor allem unter der Ägide ostasiatischer TNCs, etwa von Ramatex Berhad, China Garments Manufacturers und Lesotho Precious. Auch in Lateinamerika und der Karibik ist dies der Fall. In der Dominikanischen Republik, in Honduras und Mexiko wird die Exportproduktion von ausländischen Produzenten beherrscht. Es etwas anders ist die Situation in Asien. Doch auch in Kambodscha haben die meisten Mitglieder der Cambodian Garment Manufacturers Association ihr Hauptquartier in Taiwan, China oder Südkorea. In China entfällt mehr als ein Drittel der Textil- und Bekleidungsexporte auf Unternehmen mit ausländischem Investitionskapital.

* Verschärfte FDI-Konkurrenz nach dem Wegfall der Quoten
Mit dem Wegfall der Quoten würden Investitions- und Outsourcing-Entscheidungen stärker von grundlegenden wirtschaftlichen Erwägungen beeinflußt, heißt es in der Untersuchung. Niedrige Arbeitskosten allein werden nicht mehr ausreichen, um Investitionen anzulocken, prognostiziert UNCTAD. Wahrscheinlich werde sich die Produktion stärker in noch größeren Produktionsstätten und in einer noch geringeren Anzahl von Ländern konzentrieren.

Im Rahmen dieser neuen „Geographie der Produktion“ werden China und Indien besonders starke Positionen einnehmen, wenngleich einige Faktoren auch gegen diese Prognose sprechen. So dürfte die Nähe zu den Absatzmärkten für einige Produktgruppen auch künftig eine Rolle spielen. Einige Produzenten haben signalisiert, daß sie mehrere Produktionsstandorte beibehalten wollten, um nicht abhängig von einem einzigen Gastland zu werden.

Auch die Beibehaltung von Handelspräferenzen wird die Standortverteilung der Textil- und Bekleidungsproduktion beeinflussen. Daraus könnten sich Chancen für Länder in Afrika, Lateinamerika und der Karibik ergeben, um ihre Exportmärkte in den USA und Europa weiterzuentwickeln. Doch Zollpräferenzen tendieren mit der Zeit dazu zu erodieren, und die Bedeutung geographischer Nähe wird dadurch relativiert, daß es zunehmend technisch möglich ist, Produktions- und Verteilungsprozesse tatsächlich weltweit zu organisieren.

* Konkurrenzfähigkeit in einer quotenlosen Welt
Viele Entwicklungsländer sind hochgradig abhängig von ihren Textil- und Bekleidungsexporten. Im Jahre 2003 betrug diese Abhängigkeit bei Kambodscha, Haiti, Bangladesch und Macao (China) 80%, bei Pakistan und Lesotho 70% und bei Mauritius, Sri Lanka und Nepal 50-60% der Exporte. Der Wegfall der Quoten intensiviert nun die Konkurrenz um exportorientierte ausländische Direktinvestitionen (FDI), die als der effektivste Weg angesehen werden, um an den globalen Wertschöpfungsketten zu partizipieren. Einschlägige Statistiken zeigen, daß China, Bulgarien, die USA, Ungarn, Brasilien und Indien in den Jahren 2002-2004 die meisten solcher FDI-Projekte anziehen konnten.

Um als Gastnation wettbewerbsfähig zu bleiben oder zu werden, empfiehlt UNCTAD den betreffenden Ländern dringend, solche Bedingungen zu schaffen, die ein Upgrading von einfachen Montagearbeiten zu einer „Full-Package“-Produktion gestatten. Zu zentralen Feldern der Wirtschaftspolitik müßten die folgenden Bereiche werden: die Identifikation spezieller Nischen, die Ausbildung von Arbeitskräften und technologisches Upgrading, Investitionen in Informationstechnologie, die Verbesserung der Infrastruktur (etwa in Häfen und Exportzonen) und die Nutzung der bestehenden Zollpräferenzen im Welthandelssystem.

Hinweis:
* UNCTAD, TNCs and the Removal of Textiles and Clothing Quotas, 70 pp., United Nations: New York and Geneva 2005. Bezug: über www.unctad.org. PDF-Link >>> hier.

(Veröffentlicht: 14.6.2005)

Mehr zum Thema:
* Nach dem Textilabkommen – Zwischen Handelskrieg und Reregulierung
>>> W&E 06-07/2005.
* Freihandel statt Quoten?
>>> W&E 10/2004.

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